Zweitligist Wilhelmshavener HV verliert 28:30 gegen VfL Gummersbach

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Pfiffe bringen Jadestädter auf die Palme - 
HANDBALL Zweitligist Wilhelmshavener HV verliert 28:30 gegen VfL Gummersbach – Acht Drechsler-Tore

Dieses Spiel hätte definitiv Zuschauer ver-dient gehabt: Im Duell mit Zweitliga-Spitzenreiter VfL Gummersbach präsentierten sich die Handballer des Wilhelmshavener HV gestern Abend in der Nordfrost-Arena jederzeit als gleichwertiger Gegner und zogen am Ende einer spannenden und speziell in der zweiten Hälfte umkämpften Partie nur knapp mit 28:30 (17:19) Toren den Kürzeren. Stark Linkshänder Rene Drechsler mit acht Toren und erneut Torhüter Jens Vortmann, der in Durchgang zwei reihenweise Hochkaräter des VfL entschärfte und sein Team damit im Spiel hielt.

Das Spiel hätte aber auch Schiedsrichter verdient gehabt, die identische Situationen auf beiden Seiten auch gleich beurteilen. Diese Gabe hatten die Sportkameraden Pawel Fratczak und Paulo Ribeiro gestern Abend leider nicht. Im Gegenteil: Fast jede der so wichtigen 50:50-Entscheidungen ging an die Oberbergischen. Kein Wunder also, dass sich die Jadestädter in der Nachholpartie klar benachteiligt sahen. „Die Jungs haben sicherlich Fehler, insgesamt aber ein sehr gutes Spiel gemacht", sagte ein sichtlich enttäuschter Trainer Christian Köhrmann nach dem Abpfiff. „Vor allem im Vergleich zur Partie gegen Hamburg. Wir haben nie aufgegeben und im-mer wieder Rückschläge weggesteckt. Am Ende entscheiden wie immer Kleinigkeiten – und da hätte ich mir auch den ein oder anderen Pfiff mal in unsere Richtung erhofft. Diese Pfiffe kamen leider nicht – und das ärgert mich."
Vor allem Ex-Bundesliga-Profi Timm Schneider, der im Sommer aus Melsungen nach Gummersbach gewechselt war, genoss in vielen Situationen eine Art Narrenfreiheit auf der Platte. Meckern hier, Ball nicht rausgeben da und stets mit Redebedarf in Richtung der Schiedsrichter. Sanktioniert wurde am Ende keines dieser Mätzchen. Auf der Gegenseite sah das anders aus: Hier bekam Vortmann nach der ersten kleineren Unmutsäußerung sofort die Zeit-strafe aufgebrummt, außerdem zeigten sich die Unparteiischen auf Seiten der Jadestädter längst nicht so gesprächs-, dafür aber zeigefreudig in Sachen zwei Minuten.
Unter dem Strich boten bei-de Mannschaften gestern Abend zwei unterschiedliche Halbzeiten: In Durchgang eins wurde auf beiden Seiten weit-gehend auf Arbeitarbeit auf Zweitliga-Niveau verzichtet. Schön für die Zuschauer zu Hause an den Bildschirmen, die reihenweise schöne Tore zu sehen bekamen. Weniger schön für die Trainer, die im-mer wieder versuchten, ihre Abwehrrecken aufzuwecken – und für die Torhüter, die die Bälle permanent aus dem Netz fischen mussten. Mit etwas mehr Glück (und ein, zwei Pfiffen) hätten die Jadestädter durchaus eine Führung mit in die Halbzeitpause nehmen können. Da Schneider das VfL-Spiel aber geschickt dirigierte und seine Nebenleute zuverlässig trafen, lag der VfL bei Halbzeit nicht unverdient mit 19:17 Toren vorne.
Nach dem Wechsel wurde dann auch verteidigt, was der Spielqualität mehr und mehr schadete. Dafür stieg die Spannung von Minute zu Minute, da sich der WHV – anders als noch gegen den HSV – vom ehemaligen Rekordmeister einfach nicht abschütteln ließ. Auch Dank Vortmann, der jetzt viele Freie der Gäste wegnahm und großen Anteil daran hatte, dass der WHV nach 47 Minuten beim Stand von 25:26 noch alle Chancen hatte. Zum Ausgleich reichte es trotz guter Gelegenheiten aber nicht mehr, weil Gummersbach auch in der hektischen Endphase immer dann traf, wenn man treffen musste – ganz im Stile einer Spitzenmannschaft. Als Lukas Blohme zum 30:26 ins leere Tor der Jadestädter traf, war die Partie gelaufen.
Drechsler betrieb mit seinen Toren Nummer sieben und acht an diesem Abend nur noch Ergebniskosmetik. Fazit: Mit dieser Leistung kann der WHV den Kampf um den Klassenerhalt erhobenen Hauptes annehmen. Und er kann in Zukunft auch verstärkt auf Neuzugang Miro Schluroff bauen, der sei-ne Fähigkeiten mehr als nur andeutete. Köhrmann: „Miro hat das – wie alle anderen auch – sehr gut gemacht. Wenn er mit Tempo kommt, ist er nur schwer zu verteidigen. Wir werden ihn jetzt schnellstmöglich weiter ins Team integrieren."