WHV verliert 18:25 bei SG BBM Bietigheim

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20 Minuten lang nicht auf der Platte - 
WHV verliert nach Katastrophenstart mit 18:25 bei SG BBM Bietigheim

Denkwürdiges Spiel am Samstagabend in der Bietigheimer Sporthalle am Viadukt: Bei der 18:25 (6:15)-Niederlage beim bisherigen Schlusslicht SG BBM Bietigheim stellten die Zweitliga-Handballer des Wilhelmshavener HV gleich mehrere Bestmarken auf – leider allesamt in negativer Hinsicht.
18 Tore, so wenig warfen die Jadestädter während ihrer Zugehörigkeit zur eingleisigen 2. Liga (seit 2015) noch nie.
Die wenigsten Treffer gelangen dem WHV bis dato in der Aufstiegssaison beim 19:19-Heimremis gegen die HSG Nordhorn-Lingen.
Außerdem rekordverdächtig: In Bietigheim lag die Truppe von Trainer Christian Köhrmann zur Pause bereits mit 6:15 Toren (!) im Hintertreffen. Und: Für ihren ersten Treffer benötigten die Jadestädter am Samstag satte 19 Minuten – zum 1:10 durch Vedran Delic vom Siebenmeterstrich.
Kein Wunder also, dass Köhrmann die Partie schon nach 20 Minuten gerne beendet hätte. „Wenn du so einen Start hinlegst, kannst du dich eigentlich nur in den Bus setzen und sofort wieder nach Hause fahren", ärgerte sich der Trainer nach dem Abpfiff. Richtig erklären konnte der Coach die den Auftritt seines Teams in den ersten 20 Minuten nicht. „Alle standen komplett neben sich. Nichts von dem, was wir uns vorgenommen, wurde umgesetzt. Im Gegenteil: Wir wurden über weite Strecken vorgeführt."
Dass die Gastgeber – immerhin Dritter der Vorsaison und in den letzten Wochen arg coronagebeutelt – nicht in den Tabellenkeller gehören, ist klar. Zudem freute sich SG- Trainer Hannes Jón Jónsson vor dem Duell mit dem WHV über die erste komplette Trai-ningswoche seit Saisonbeginn. Man darf also in Bietigheim durchaus verlieren.
Die Art und Weise, wie sich die Gäste, die extra einen Tag vorher angereist waren, in den ersten 20 Minuten präsentierten, wird den Verantwortlichen aber zu denken geben. „Das war Alibi-Handball von uns", legte Trainer Köhrmann den Finger in die Wunde. „Keiner ist dahin gegangen, wo es auch mal wehtun kann. Offen-siv war das ein Offenbarungseid." Dabei ließ er Coach kaum etwas unversucht, aber auch zwei frühe Auszeiten (9. und 13.) sowie mehrere Wechsel führten nicht zum gewünschten Erfolg. Ein behäbiger und einfallsloser WHV fand kein Mittel gegen die recht offensive Bietigheimer Abwehr.
Und verirrte sich doch mal ein „Würfchen" in Richtung Bietigheimer Tor, hatte Islands Nationalkeeper Aron Edvardsson kaum Mühe, die Bälle zu entschärfen. Hätte sein Gegenüber Jens Vortmann im WHV-Tor nicht erneut einen starken Tag erwischt gehabt, hätten die Jadestädter nach 19 Minuten noch weitaus höher als nur 0:10 zurückgelegen.
Delic sorgte als Erster für Zählbares auf der Anzeigetafel, Yannick Pust traf nach 22 Minuten als erster Jadestädter aus dem Feld (3:11), Rene Drechsler nach 27 Minuten als erster Gästeakteur aus dem Rückraum (4:13).
Als der WHV endlich ein gleichwertiger Gegner war, war die Messe allerdings längst schon gelesen. Was Mut macht, ist der Auftritt in der zweiten Halbzeit, die letztlich mit 12:10 an den Aufsteiger ging. In der Deckung bedingungslos aggressiv, vorne nicht fehlerfrei, aber zumindest mit viel Zug zum Tor – so will Köhrmann sein Team künftig wieder über die vollen 60 Minuten sehen.
Vielleicht ist in den Köpfen einiger Spieler noch nicht an-gekommen, dass nach dem (vorerst gewonnenen) finanziellen Überlebenskampf inzwischen der sportliche Überlebenskampf begonnen hat. Acht Punkte haben die Jadestädter nach ordentlichem Start auf dem Konto – netto aber nur vier, da dem WHV ja bekanntermaßen am Ende vier Zähler wegen des Wechsels der Spielbetriebs-GmbH abgezogen werden.
In Sachen Abstiegskampf sind Drechsler & Co. nicht erst seit Bietigheim mittendrin, statt nur dabei. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir dieses Spiel nicht nur aus den Beinen, sondern vor allem aus den Köpfen bekommen", so Köhrmann weiter. „Wenn ein Miro Schluroff hier nach seiner frühen Einwechslung nervös ist und Fehler macht, kann ich darüber hinwegsehen. Umso mehr müssen unsere erfahrenen Spieler das Heft in die Hand nehmen und auf der Platte vorwegmarschieren. Das habe ich heute im ersten Durchgang vermisst."
Viel Zeit, die Köpfe freizubekommen, haben die Jadestädter nicht. Schon am kommenden Mittwoch, 16. Dezember (20 Uhr, Nordfrost-Arena), steht das nächste Nachholspiel auf dem Programm. Dann geht es gegen den TuS Ferndorf (über hoffentlich wieder 60 Minuten) um die nächsten ganz wichtigen Punkte im Abstiegskampf.