13.06.2020 15:21

„Will meinen Teil zum Erfolg beitragen“

Nils Torbrügge ist einer von drei Neuzugängen bei Zweitliga-Aufsteiger Wilhelmshavener HV. An der Jade hat der 27-Jährige einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Auf seine neuen Teamkollegen ist er gespannt.

Frage: Nils Torbrügge, herzlich willkommen in Wilhelmshaven. Ein Ostwestfale im hohen Norden. Ein Kulturschock?
Nils Torbrügge: Vielen Dank und nein, das kann man nicht sagen. Ich kenne die Gegend noch aus Kindertagen, weil die Familie ein Ferienhaus in Horumersiel hatte. Der Norden hat seine Vorzüge, sonst würden nicht so viele Leute hier Urlaub machen. Ich war viel mit dem Fahrrad unterwegs, habe mir einiges angesehen und bin positiv überrascht.

Frage: Du bist der erste der drei WHV-Neuzugänge, der hier aufgeschlagen ist – und das einige Wochen früher als erwartet. Hattest du es so eilig?
Torbrügge: Eigentlich nicht, aber bei meinem Verein, der HSG Wetzlar, herrscht seit dem vorzeitigen Abbruch der Bundesliga-Saison Kurzarbeit „null“. Das heißt, wir dürfen nicht trainieren. In Absprache mit der HSG habe ich meinen Umzug deshalb etwas vorverlegt. Wegen der Schulter hatte ich noch ein paar Reha-Maßnahmen – die kann ich aber genau so gut in Wilhelmshaven absolvieren.

Frage: Du hattest zwei erfolgreiche Jahre in Wetzlar und dann diesen geräuschlosen, anonymen Abschied. Hättest du dich gerne noch in der Halle von den Fans verabschiedet?
Torbrügge: Ich bin jetzt nicht der Typ, der vor 5000 Zuschauern unbedingt noch mal den Fans zuwinken muss. Die Zeit in Wetzlar war toll, gemessen an den finanziellen Voraussetzungen waren wir sehr erfolgreich, und ich habe viele Freunde gefunden. In Mittelhessen herrscht schon ein besonderes Klima, das ich in meiner Profi-Karriere so noch nie erlebt habe.

Frage: Das musst du erklären.
Torbrügge: Ich will nicht zu viel sagen, aber Trainer Kai Wandschneider hat seine ganz eigene Art. Wir hatten unheimlich Bock auf Handball – das hat man in den Spielen gesehen. Und daran hatte er großen Anteil, weil wir oft auf den Punkt unsere beste Leistung abrufen konnten.

Frage: Welches Spiel ist dir noch besonders in Erinnerung?
Torbrügge: Ganz klar der 27:20-Auswärtssieg kurz vor Weihnachten beim THW Kiel, den man schon historisch nennen könnte. Ich habe mit Minden, Nettelstedt und Wetzlar oft in Kiel gespielt, manchmal auch zur Pause geführt – aber nie mit sieben Toren gewonnen. Bei uns lief es einfach, während die Gedanken des Gegners bei all dem Terminstress vielleicht schon um den Weihnachtsbaum kreisten. Unsere Leistung soll das aber nicht schmälern – das war schon ein geiles Spiel.

Frage: Apropos Minden und Nettelstedt: Du hast für beide Traditionsvereine gespielt. Sind Wechsel zum Erzrivalen nicht vertraglich verboten?
Torbrügge: Sollte man meinen, ist aber natürlich nicht so. Trotzdem war die Situation damals schon speziell, weil die Rivalität in allen Bereichen – also auf den Feld, aber vor allem auf den Tribünen – schon sehr groß war. Solche Spiele und das Drumherum vergisst man nie. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse aber deutlich abgekühlt.

Frage: Kommen wir zu deinem neuen Verein und zu den Zielen, die du mit dem WHV verfolgen willst.
Torbrügge: Ohne dem Verein hier vorgreifen zu wollen, ist es für einen Aufsteiger sicherlich immer klug, zunächst einmal nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das sollte auch für uns das primäre Ziel sein. Alles, was darüber hinaus geht, nehmen wir natürlich gerne mit.

Frage: Und deine persönlichen Ziele?
Torbrügge: Ich bin 27 Jahre alt und wechsel von der 1. in die 2. Bundesliga, das weckt Erwartungen – vom Trainer, von der Mannschaft und nicht zuletzt auch von den Fans. Deshalb ist es wichtig, dass ich meine Leistung bringe und meinen Teil zum Erfolg des Vereins beitrage. Wobei ich Erfolg nicht an einem bestimmten Tabellenplatz festmache.

Frage: Dein letztes Zweitliga-Spiel liegt schon einige Zeit zurück. Wie belastbar sind deine Kenntnisse über die 2. Bundesliga?
Torbrügge: Ich würde sagen eingeschränkt belastbar. Klar kenne ich noch die Vereine und viele Spieler aus den direkten Duellen. Wie die Kräfteverhältnisse aber genau verteilt sind, kann momentan wohl niemand sagen. Große Wechsel gab es während der Corona-Krise kaum. Deshalb könnte es sein, dass es oben und unten die üblichen Verdächtigen gibt.

Frage: Du bist schon dreimal in die 1. Liga aufgestiegen…
Torbrügge: Ja, das stimmt. Aber die Voraussetzungen waren immer andere. Wir haben eine gute Mannschaft mit einer guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Was daraus werden kann, wird sich zeigen. Hauptsache, es geht irgendwann wieder los.

Frage: Vorbereitungsbeginn ist am 1. Juli. Hast du deine neue Mannschaft überhaupt schon kennengelernt?
Torbrügge: Nein, noch nicht. Nur einzelne Spieler. Bartosz Konitz, Duncan Postel und Rutger ten Velde haben beim Umzug geholfen, Sebastian Maas habe ich beim Fitness und Tobias Schwolow beim Physiotherapeuten getroffen. Unseren Torwart Jens Vortmann kenne ich ja noch aus der gemeinsamen Zeit in Minden. Auf den Rest bin ich sehr gespannt.

Frage: Vielleicht lädst du den ein oder anderen mal zum Angeln ein?
Torbrügge: Tja, ich bin zwar eher der Schönwetter-Angler und habe auch den passenden Erfolg dazu. Falls jemand Lust hat, kann er gerne mitkommen. Zu zweit macht Angeln ohnehin viel mehr Spaß.